Rechtschreibreform

Da hat man sich sein Leben lang bemüht, richtig zu schreiben, und nun gilt alles nicht mehr … so ähnlich dachte ich auch jahrelang. Nur dass mir Rechtschreibung nie wirklich Mühe gemacht hat; in der Schule waren mir Diktate die liebste Form der Leistungskontrolle.

Gräuel, infrage stellen, potenziell, Tunfisch, zurzeit - daraus ließe sich sicher eine treffliche kleine Satire basteln. Manche „Zwischen Stufen“ im jahrelangen Hin und Her der „Rechtschreib Reform“ brachten damals auch mich dazu, sie zu bemängeln und seufzend „ab zu lehnen“. Bis heute sind die Folgen der Verwirrung zu spüren, die damals in „Schüler Köpfen“ gestiftet wurde.

Die Diskussionen, die Irrungen und Wirrungen sind jetzt überstanden. Die neuen Regeln stehen, und ich habe beschlossen: Ein Buch wird für ein Jahrhundert geschrieben, und zwar für das, das heute beginnt – nicht für das, das hinter uns liegt. Ich wünsche mir, dass auch junge Menschen und die noch nicht geborene Generation von unserer Arbeit profitieren.

Ich habe Kinder erlebt, die wie ich mit alten Büchern aufgewachsen sind (zum Teil mit solchen, die noch vor der Rechtschreibreform von 1902 gedruckt wurden) – und die im Diktat dann „giebt“und „Thür“ schrieben. Viel zu lesen fördert die Rechtschreibsicherheit – vorausgesetzt, die Rechtschreibung der gelesenen Bücher ist aktuell und korrekt.

Bleibt noch die Frage nach den Kann-Regelungen, den zugelassenen Varianten, besonders wenn es um Zusammen- und Getrenntschreibung geht. Innerhalb eines Buches möchte man das schon einheitlich halten; deshalb halte ich mich in solchen Fällen an die im Duden empfohlene Schreibweise. Die ich im Übrigen insgesamt recht erträglich bis gut finde. Es muss nicht alles logisch sein, das war es früher auch nicht immer. Das Leben geht weiter.